Clubkultur in der Diskussion – Fachtagung im Cafe Moskau
Unter dem Motto “20 years city of change – the place to be for music” fand am Freitag, den 6. November, eine Fachtagung zur Berliner Clubkultur statt. Der Termin war nicht zufällig gewählt, denn mit dem Mauerfall, der sich heute zum 20. Mal jährt, begann auch der Aufstieg Berlins zu einer der angesagtesten Szene-Metropolen weltweit. Tagungsort war das “Café Moskau” an der Karl-Marx-Allee, das selber schon Schauplatz der einen oder anderen Clubnacht war.
Initiatoren der Veranstaltung waren die “Club Commission“, eine Interessenvertretung Berliner Clubbetreiber, und, unübersehbar, die Stadt Berlin. Das Logo der Imagekampagne “be Berlin” prangte auf allen Broschüren und Flyern. Dass die Behörden der Stadt im alltäglichen Umgang nicht immer ein perfekter Partner für die Clubszene sind, wurde von einigen Diskussionsteilnehmern durchaus thematisiert. Konflikte zwischen Ämtern, Clubbetreibern und erbosten Nachbarn gibt es immer wieder und nicht immer fühlen sich die Clubbetreiber dabei von der Stadt ausreichend gewürdigt.
Die Besucher der Tagung kamen aus der Medienbranche, der Musik- und Clubszene und der Wirtschaft. In mehreren Panels wurden die Entwicklung und die Stellung der Berliner Clubkultur unter verschiedenen Gesichtspunkten diskutiert. Eine Mischung aus nostalgischer Rückblende und Meinungsaustausch gelang in der Runde zu “20 Jahren Clubkultur in Berlin”. Diskussionsteilnehmer waren unter anderem DJ-Legende Tanith, Clubbetreiber Ben de Biel (früher Eimer, heute Maria) und sein Kollege Sascha Disselkamp (Sage Club, Rechenzentrum), Mona Rübsamen, die in den “wilden 90ern” für MTV Europe arbeitete, und Alexandra Dröner, die damals in verschiedener Weise in die Clubszene involviert war und bis heute DJ, Veranstalterin und Musikjournalistin ist.
Bei solch einer illustren Runde gab es natürlich eine Reihe kurzweiliger Anekdoten zu hören, aber Moderator Tobias Rapp, Kulturredakteur beim “Spiegel” und Kenner der Berliner Clubszene, versuchte bewusst, es nicht bei einem reinen Nostalgie-Trip zu belassen. Zur Sprache kamen auch Wandel und Kommerzialisierung der Clubkultur, das Verschwinden von Freiräumen und die Vereinnahmung der Szene durch die Stadt. Geteilt waren die Meinungen vor allem bei der Frage, wie weit der Dialog mit der Stadt gehen solle und ob die Clubkultur als Kulturgut gesetzlich geschützt werden könne. Das versöhnliche Fazit des Panels lautete, dass die junge Garde der Veranstalter, die ihre Partys nur im Internet ankündigen und immer neue Räumlichkeiten finden, frischen Wind in die Berliner Szene gebracht hätte.
In einem anderen Panel wurde das Zusammenspiel von Clubkultur und Medien diskutiert. Die Teilnehmer waren Mitarbeiter, Redakteure und Herausgeber verschiedener Stadt- und Musikmagazine und eines Radiosenders. Vertreten waren unter anderem “030″, “Nachtleben”, “Unclesally*s”, “Debug” und “Motor FM”. Einig waren sich die Medienschaffenden über die Unterschiede zwischen Publikationen, die direkt aus der Clubszene stammen und jenen, die “von außen” berichten. Die freie Journalistin Tina Molin stellte eine größere Offenheit der Clubmacher gegenüber der Presse fest. Zeitweise verlor sich das Podium dann jedoch in Diskussionen mit Besuchern im Publikum. Von denen wurden zwar spannende Punkte angesprochen wie der “Weg einer Veranstaltung in die Medien” oder die Käuflichkeit von redaktionellen Beiträgen – der Dialog verlief allerdings eher unergiebig.
Letztendlich fehlten bei “20 years city of change – the place to be for music” zwar die ganz neuen Erkenntnisse, aber es wurde immerhin lebhaft über die vergangenen 20 Jahre, den Stand der Dinge und die mögliche Zukunft diskutiert. Dazu gab es ein Wiedersehen mit bekannten Gesichtern. Die Clubszene ist und bleibt einer der wichtigsten Standortfaktoren Berlins – für diese Erkenntnis muss man ohnehin nur nachts durch die Straßen der Szenebezirke laufen.


